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In
der Wohnung in Hannover-Limmer, in der ich als Kind mit meinen Eltern
und meiner Schwester lebte, hatten wir oft Bluesmusiker zu Gast. Wie ungewöhnlich
solche Besuche waren, war mir damals nicht bewusst. Für uns Kinder
war das einfach normal. "Champion" Jack Dupree, der hier um
1971 mit mir zu sehen ist, kochte gerne - und wie ich fand: sehr gut -
Gerichte des Soul Food. Beim Kochen mussten die Erwachsenen draußen
bleiben, aber uns Kinder ließ er zuschauen. Zwar sprach Jack zu
dieser Zeit weder deutsch noch konnten wir Kinder englisch, aber das ließ
sich überbrücken. Schwieriger war da schon der Einkauf fürs
Essen, denn auf der Straße und in den Läden wurden wir oft
feindselig angestarrt. Auch etliche Nachbarinnen und Nachbarn lehnten
es ab, immer - wie sie sagten - "diese Neger" im Haus zu haben.
Uns wurde nahe gelegt, aus dem Haus auszuziehen. Doch wir blieben.
Über
solche Themen stritten meine Eltern auch mit den Eltern meines Vaters. Mein
Großvater, ein Berufsmusiker (erst in der Wehrmacht, später am
Theater und der Oper), litt darunter, dass sein Sohn ausgerechnet "Urwaldmusik"
liebte und auch sonst seine dem Nationalsozialismus nahe stehenden Einstellungen
nicht teilte. Im Grunde stimmte meine Großmutter ihm zu, bemühte
sich aber (oft erfolglos) darum, dass Streits nicht aufkamen oder zumindest
nicht allzu hitzig wurden. Ganz anders die Eltern meiner Mutter: Sie lehnten
den Nationalsozialismus ab. Als Sozialdemokrat war der Großvater meiner
Mutter "zur Abschreckung" in einem Konzentrationslager inhaftiert.
Davon blieb er zeit seines Lebens gezeichnet. Alles
in allem prallten verschiedene Werte in meiner Familie und der Nachbarschaft
heftig aufeinander. Wie ich erst später entdeckte, zogen sich solche
Konflikte nicht nur durch viele Familien, sondern auch durch Universitäten
oder die Regierungen. Politische Auseinandersetzungen - auch und gerade über
die Geschichte! - waren keine abstrakten, weit entfernten Konflikte, sondern
ein Teil meines Alltags.
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